Chronik.Ereignis1046 Rosen auf verbrannter Erde 06

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Punin, 1046 BF

Im Palacio di Rueda

Autor: Amrit

Nazir di Rueda, 75-jähriger Soberan der Familia, hatte seinen Enkel Emilio in den Palacio zu Punin zur Unterredung geladen.
Es war das Gespräch, das der junge Mann seit Wochen fürchtete.

Ohne seinem Nachkommen auch nur einen Platz anzubieten, kam der weißhaarige Alte auch direkt zur Sache, während er die Fingerspitzen seiner Hände auf dem vor sich stehenden Eichentisch aufstützte. "Emilio. Man hat mir zugetragen, dass du davor stehst, deine Kraft und almadanische Münze in Omlad zu verschleudern. Was hat es damit auf sich?"

Emilio sammelte sich und gab wieder, was er in seinem Kopf schon unzählige Male durchgegangen war:
"Mein Soberan! Mein Bestreben ist keineswegs, Kraft und Geld versanden zu lassen. Was ich unterfangen möchte ist kein Verschleudern. Seht es als...als Investition." Er versuchte, überzeugend zu lächeln.
"Wenn das von Kriegen versehrte Land vielleicht wieder Früchte trägt, wenn schattenspendende Bäume und süßer Wein dort gedeihen könnten, wo jetzt nur Felsgestein unter der Sonne dorrt, wie soll das ein verschwendetes Bemühen sein? Das wäre doch göttergefällig und dem Land zuträglich!"

Nazir schnaubte bei diesen Worten nur leise.
"Warum sollte es mich kümmern, in welchem Zustand dieses Land ist? Land, das wir mit unserem Schwert verteidigt, das wir unserem Blut bezahlt haben, und das jetzt doch den Feinden anheim gefallen ist, das dieser...Novadibrut überantwortet wurde."
In Dom Nazirs Augen blitzte es gefährlich."Hast du schon einmal überlegt, dass die von dir beklagte Dürre dort vielleicht von den Göttern so gewollt ist? Als Strafe für die Taten der wüstgläubigen Ketzer?"

Sein Enkel kämpfte nach dieser Erwiderung etwas mit der Fassung, dann rang er sich jedoch eine ruhig gesprochene Antwort ab. Emilio wusste: Wenn er sich von dem Alten in ein Streitgespräch verwickeln ließ, hätte er bereits verloren.
"Den Willen der Götter kennen wir wohl beide nicht. Omlad war aber grün und üppig unter der hundert Jahre währenden novadischen Herrschaft. Soll es tatsächlich göttergewollt sein, dass die Felder und Bäume just verdarben, bevor es dann wieder unserem Almada eingegliedert wurde?"

Dem alten Dom fiel darauf keine rechte Erwiderung ein. Nach einigen Momenten finsteren Nachgrübelns sah er dann Emilio direkt an und meinte: "Du kommst wohl recht nach deiner Ahnherrin." Er wies mit dem Kinn schroff in Richtung eines Bildnis der Ariana an der Wand "Irgendwelche Bäume sind dir wichtiger als wir, deine Familia."

Emilio spürte Ärger in sich aufsteigen. Er wusste, Nazir hatte das Fortgehen seiner elfischen Frau nie wirklich überwunden. Nach einer kurzen Zeit des Zusammenseins war Ariana damals einfach gegangen, zurück in die Wälder...mit einer lächelnden Entschuldigung und Worten über ein Lied das sie in den steinernen Schluchten der Menschensiedlung nicht hören konnte. Aber was konnte er, Emilio, denn dafür? Dieses Argument des Soberans fühlte sich nicht eben redlich an.

Nazir, der das wahrnehmen konnte, setzte noch nach: "Solcher Wankelmut...Familia zählt dir wohl gar nichts. Da wäre ja bald besser, du gehst zu deiner Brache da in Omlad."

Jetzt stützte auch sein Enkel die Arme auf den Tisch und blickte herausfordernd. "Wenn mein Soberan mich nach Omlad schickt, werde ich dem wohl Folge leisten."
Im nächsten Moment fühlte Emilio aber schon Bedauern über seine aufgeladenen Worte.
Der junge di Rueda hob nun die Hände, in einer Geste als wolle er das Mitgefühl des Soberans erbitten. "Ich wünschte, Dom Nazir, Ihr könntet verstehen was mich antreibt. Das Land jenseits des Yaquirs...seit meiner Kindheit wurde mir davon erzählt als das...das verlorene Land. Als etwas, für das niemals Ersatz möglich sein wird. So wurde es mir erzählt, so wurde es meinem Vater erzählt, und wohl schon Euch.
Der verlorene Ort, der einzige, wo wir glücklich wären." Er sah Nazir mit einem schmerzhaften Ausdruck an. "Versteht Ihr nicht, dass es mich nach drüben zieht?"

Emilio musterte die Gesichtszüge seines Großvaters, die ausdruckslos blieben während seiner Eröffnung, sich dann aber verhärteten, als Nazir sprach:
"Kaiserlich Omlad ist nicht unser Amhallas. Weisst du was es ist? Ein Schandfleck. Man hat uns betrogen um unser Eigenstes. Land, das wir mit unserem Schwert verteidigt, das wir unserem Blut bezahlt haben!" der Alte begann, sich zu widerholen. "Meinen jüngsten Sohn musste ich in Geiselhaft geben, nur damit diese...diese Kameltreibertochter, diese heidnische Hetäre sich nun dort als Herrin aufspielt." Abscheu troff aus jedem seiner Worte.

Der Alte ließ sich nun schwer in den geschnitzten Stuhl fallen, wie um seinen Worten etwas Abschließendes zu geben. "Wenn Omlad verdorrt ist, wen kümmert es! Zu Sand soll es zerfallen!"

Emilio sah den sitzenden Greis einige Momente nur still an. Dann sagte er leise: "Man sagt, Hass sei ein Messer, das ins eigene Fleisch schneidet. Euch anzuhören erinnert mich daran. Wie kann man als Zwölfgläubiger wünschen, dass ein Land zu Sand zerfällt?" Er blickte Nazir an mit einem Ausdruck der Befremdung. "Zumindest lebt Euer Sohn Escalio noch. Er ist wohlauf, und er lebt.
Das ist mehr als man vom Sohn der Tulameth sagen kann."

Nazir erhob sich nochmals, und sein Blick ließ den Raum eisig anmuten. "Dieses Gespräch ist beendet."