Chronik.Ereignis1046 Rosen auf verbrannter Erde 01
Sandschak und Kaiserlich Omlad, Phex 1046 BF
Autor: Amrit
Wüste Khom an den Ausläufern des Raschtulswalles
Du stehst unter schwarzem Himmel auf der Kuppe eines Hügels, und die Welt brennt. Blut dringt in feinen Rinnsalen aus den Ritzen zwischen Steinen, dringt aus den Erdspalten und fließt hoch, die Anhöhe hinauf, wo es sich zu deinen Füßen sammelt.
Nun stehst du in einem Sturm von Feuer, aber es versehrt dich nicht. Nur die Welt um dich zerfällt in Asche und Glut. Als die Flammen dann versiegen, bleibst du, und nach dem Rot und Schwarz kommt das Grün. Wie vorhin das Blut aufstieg, so bahnen sich jetzt unzählige zarte Pflanzentriebe den Weg. Du spürst das Leben in ihnen hochsteigen, aus der Erde und hinauf - auch durch dich hindurch, es rauscht in deinen Adern. Es strömt.
Emilio schlug die Augen auf und war im selben Moment wieder ganz da.
Das Erwachen aus Träumen war anders, ein Zurücktasten durch Nebel, allmählich und mit verwirrtem Sinn zurückfinden in die Realität.
Aber nach einer Vision wartete die wache Welt immer in tiefer Klarheit. Sie erwischte das Bewusstsein wie ein Guss erfrischenden Wassers, die Sinne waren schärfer, alles wirkte neu.
So nahm er jetzt das Nachtlager der novadischen Reisegruppe um sich herum wahr, die einzelnen vermummten Wächter an ihren kleinen Feuern. Das Seufzen der schlafenden Lasttiere, deren warme und schwere Leiber aneinander ruhten. Nachts roch die Steppe würzig und herb. Emilios Augen suchten den Himmel über sich. So klar war das Firmament, die Sterne fühlten sich näher und echter an als daheim in Ragath. Den Novadi gilt der Himmel als Zelt des Ewigen. Für Emilio war es ein Ozean. In Nächten wie dieser fühlte es sich fast schmerzhaft an, gefesselt zu sein an die Oberfläche Deres.
Diese Fesseln lösen können, und man wäre frei, sich in den Ozean fallen lassen und zwischen den Sternen einzutauchen in eine leuchtende Tiefe.
Jetzt fröstelte es ihn, und er zog die schützenden Kamelhaardecken ein Stück höher.
Noch ein, zwei Stunden, und das Lager würde in den frühen Dämmerstunden erwachen. Dann waren es nur noch einige Stunden Wegzeit bis nach Kaiserlich Omlad und in die Stadt des Mondkelches.
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Als die ersten Wildvögel mit langen, klagenden Kadenzen den Tag begrüßten, ging der junge di Rueda seinen Teil der Karawanenführer und die von ihm angeworbenen aranischen Söldner wecken, um mit ihnen die letzte Wegstrecke zu besprechen. Vor dem Übergang in die Stadt Omlad blühte ihnen eine mehrtägige Quarantäne. Ein Teil der Frauen und Männer würde also an der Stadtpforte schon umkehren. Für die übrigen musste Dom di Rueda in den am Weg liegenden Kzours1 noch Verpflegung nachkaufen. Zwar gab es rund um Omlad etliche fahrende Händler, diese nutzten aber die Gunst der Stunde, so dass die dort verlangen Preise - auch für eine einfache Mahlzeit - einem die Röte ins Gesicht zu treiben vermochten.
Emilio seufzte bei dem Gedanken an all die Umstände. Gerne hätte er seine Bibliotheksrecherchen in Fasar alleine in Ruhe durchgeführt, und dann - mit leichtem Gepäck und zu Pferde - wäre auch der Rückweg über die Reichsstraße möglich gewesen. Aber leichtes Gepäck und Verwandschaft zum Handelshaus Lampérez, das schloss sich aus.
Ach du gehst nach Fasar?...und dann bekam er ellenlange Listen an gewünschten Gütern zugeschoben. Jetzt also die Karawane, die Söldner, die Quarantäne und all das. Aber der mit Kardamom gewürzte Mokka dampfte wohlig in der klammen Frische des frühen Morgens, das munterte auf. Und dann war Zeit für den Aufbruch.
Drei Stunden später. Nach hundert Meilen karger roter Sandsteinkuppen war es für die Seele ein Labsal, als sich vor dem Zug die sattgrüne Landschaft des Nash’Yaquim öffnete. Grüne Hügel von Amhallas… im Wappen derer von Rueda waren sie noch zu sehen. Von manchen Anhöhen erblickte man gen Firun schon das glitzernde Blau des Yaquirs. Nicht mehr weit bis auf Heimatboden. Je näher die Stadt des Madakelches aber kam, um so wüster und grauer wurde es wieder.
Hoch in einem der eingeschnittenen Täler thronte Al'Keshir, die Ruine der alten Kaiserpfalz, und saß Omlad im Nacken wie eine schlechte Ahnung. In ständige Provokation des Mittelreiches war diese Ruine besetzt vom novadische Bey Kazan Al'Mougan, welchem Kaiserlich Omlad ein besonderer Dorn im Auge war. Die Karawane verstummte und beeilte sich, die Ruinengegend rasch zu queren. Bey Al'Mougan war berüchtigt dafür, immer wieder gern …Probleme zu machen.
Als die Mauern der Stadt Omlad sichtbar wurden, verabschiedete sich jener Teil der Reisenden, welche hier umkehrten, oder weiter den Fluß entlang Richtung Ukuban oder Amhalla zogen. Emilio und die übrigen Händler, welche nach Almada übersetzten wollten, reihten sich ein in die Menge, die zwischen blökenden Kamelen und gelassen wiederkäuenden Ziegen vor dem Stadttor Omlads anstand.
1 nov.: Siedlung mit umgebender Befestigungsanlage
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