Chronik.Ereignis1046 Die Rochade 10
Baronie Dubios, 3. Efferd 1046 BF
Auf der Reichsstraße II nach Punin
Autor: De Verlez
Die Reisegruppe hatte San Therbun hinter sich gelassen und die Landesgrenze in die Baronie Bosquirien überschritten. Die Reichsstraße II war zu dieser Zeit viel befahren, lockte die Sitzung des Cronrats und die darauf folgende Tagung der Landstände nicht nur die teilnehmenden Adeligen, sondern auch allerlei Spielleute, fahrende Händler und zwielichtiges Volk nach Punin.
Die de Verlez hatten extra drei Kutschen gemietet, um alle Familienmitglieder aus Mandana und Ragath nach Punin zu bringen. In der ersten Kutsche saßen Marquesa de Verlez, das Oberhaupt der Familia de Verlez, zusammen mit Yanis de Verlez, seiner Frau Isabell und deren Tochter Meriel. Die blinde Soberana lauschte dem Gespräch der Eltern mit ihrer Tochter. “Und ja, Onkel Douro hat bereits dem Bund des Roten Salamander geschrieben und nach einem wandernden Medicus oder Alchemisten gefragt, der bereit wäre, mich auf einer seiner Reisen mitzunehmen.”, berichtete Meriel gerade freudestrahlend. Natürlich brachten ihre Eltern den Einwand ihres Alters und einer langen Reise ins Unbekannte, welches Meriel aber sofort beschwichtigte, da es ja einige Zeit dauern würde und sie ihren Lehrmeister vorher natürlich persönlich kennenlernen würden. Um Meriel nicht weiter in Verlegenheit zu bringen, räusperte sich Marquesa, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
“Seid doch froh, dass das Kind schon Pläne hat, wie es für sie weitergehen soll. Ich halte das für eine sehr gute Idee und freue mich schon sehr darauf, deinen zukünftigen Lehrmeister kennenzulernen, wenn die Zeit gekommen ist.” Wenn sie ihn denn noch kennenlernen wird, dachte Marquesa. In letzter Zelt hat sie ihr Alter und ihre zunehmenden Gebrechen schon gespürt. Auch diese Reise war für sie sehr anstrengend, aber sie wollte es sich nicht anmerken lassen. Isabell war schon aufmerksam genug, als würde sie schon etwas ahnen. “Sag Isabel, bist du dir sicher, dass du genug Zutaten für deine Leckerei mitgenommen hast? Wir konnten ja nicht abschätzen, wieviele Gäste wir verköstigen müssen.” Isabel stimmte Marquesa zu. “Allein dieses vage “auf das diese Köstlichkeiten von allen gekostet und bewertet werden mögen”. Ich kann auch nicht verstehen, was unser verehrter Kanzler damit bezwecken will. Die Grundzutaten wie Mehl, Eier, Olivenöl haben wir dabei und wenn es nicht ausreicht, sind wir in der Capitale, wo wir unsere Vorräte sicherlich auffüllen können.” Isabel musste lachen. “Wenn nicht in Punin, wo dann? Entscheidend ist die Kürbismarmelade für die Füllung der Ensaimadas. Aus den Kürbissen von unseren Feldern mit dem gewissen Etwas verfeinert. Und davon werden wir genug dabei haben, dafür habe ich gesorgt.” Marquesa nickte in die Richtung, aus der sie die Stimme vernommen hatte. “Die Backstube ist auch angemietet, denn das Backwerk sollte frisch sein, bevor die Marmelade es durchweicht und für den Transport in die Hofkanzlei ist alles organisiert.”
In der zweiten Kutsche hatten Rohalijo de Verlez, seine Frau Issime und ihre beiden Kinder Rayan und Amaia Platz genommen. Rayan hatte gerade den Bericht über den Stand seiner Ausbildung in der Kaiserlichen Lehranstalt beendet, als Issime eine Frage in den Raum warf. “Glaubst du Roxalba wird kommen?” “Ich kann es dir nicht sagen.”, antwortete Rohaljo. “Soberana Marquesa hat sie auf jeden Fall schriftlich dazu aufgefordert. Ich rechne aber nicht damit.” “Ich hoffe, das die kleine Ordonya es schafft, sie aus ihrer Dunkelheit zu holen. Es sei beiden gegönnt. Auf das Roxalba eines Tages wieder in den Schoß der Familia zurückkehrt und Ordonya eine gute Ausbildung erhält. Sie dürfte schon auf Arbasim eingetroffen sein.” “Ich glaube, bei einem können wir uns sicher sein, bei dem anderen nicht. Unser letztes Gespräch bei den Hochzeitsfeierlichkeiten war nicht sehr angenehm.” “Ich weiß. Aber im Selkethal war sie mir gegenüber anständig. Einzig Luciana hat sie nicht gut behandelt.” “Auch so eine Sache. Luciana ist eine de Verlez. Adoptiert oder nicht.” “Sollte Roxalba erscheinen, werde ich auf Luciana achten.” Rohaljo nickte. Amaia wandte sich an ihren Vater. “Manchmal habe ich Angst vor ihr.” “Vor wem, Kind?” “Tante Roxalba.” “Die habe ich manchmal auch, mein Kind, ich manchmal auch.”
In der letzten Kutsche saßen Alonso de Verlez, seine hochschwangere Frau Rashida und der Alchemist Douro de Verlez aus Ragath.
Besorgt schaute Alonso auf seine Frau. Diese zischte ihn regelrecht an. “Hör auf so zu schauen. Ich bin schwanger und nicht krank. Und sollte etwas sein, ist Douro zugegen. Der Angesprochene nickte beschwichtigend. “Und für Punin ist alles soweit vorbereitet. Für eine Hebamme ist gesorgt, sollte der kleine Eracleo früher das Licht Deres erblicken wollen.”, erklärte Duoro. “Du siehst es ist alles vorbereitet. Also hör jetzt auf.” “Aber was wenn es schon auf der Reise……” “Ist Luciana zugegen. Hör auf jetzt.” Es rumpelte und die Kutsche fuhr durch ein Schlagloch. Wütend schlug Rashida gegen die Klappe zum Kutscher. “Du verfluchter Idiot. Musst du jedes Schlagloch zwischen Heldor und Punin mitnehmen? Denk mal darüber nach, wer dich bezahlt.” Alonso nahm ihre Hand, um sie zu beruhigen. “Meine Güte, hör auf.”, keifte Rashida, ließ ihn aber gewähren. Manchmal war Alonso froh, dass sie desöfteren auch auf dem Gut ihres Bruders weilte.
Neben der Kutsche ritt Luciana de Verlez, froh darüber, nicht in der Kutsche zu sitzen. Sie genoss die Strahlen der Praiosscheibe und den Wind, der durch ihre Haare wehte. Punin, die Capitale, ihr eigentlich viel zu groß und überfüllt von Häusern und Menschen. Aber sie hatte ein Ziel - Elionai. Ihre Schwester im Geiste aus der Gefolgschaft der Familia Al'Morsqueta. Da ja alle Familias nach Punin “eingeladen” wurden, war es vielleicht möglich sie wiederzusehen. Gerne dachte sie an ihr Zusammentreffen in den Wäldern bei Selkethal zurück. Diese Vertrautheit, diese Verbundenheit, selten hatte sie so etwas gespürt und ja, sie vermisste es. Umso mehr war sie voller Vorfreude auf ein Wiedersehen.