Chronik.Ereignis1046 Der ringende Herr 02

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Baronie Brigellan, 20. Rondra 1046

Auf der Straße zwischen Eslamstreu und Meschwig (nachmittags)

Autorin: Romina Alba

Ein Trupp Reiter kam gemächlich die Straße nach Meschwig herauf.

Voran ritten zwei Frauen, die eine Sonnenblond, die andere mit rabenschwarzen Haar. Beide waren eine Augenweide, die Hellhaarige eher lieblich und weich, die Dunkle herb und kraftvoll. Wie um die Gegensätze noch zu unterstreichen, ritt die Blonde einen eleganten Glanzschimmel und die Schwarzhaarige einen nicht minder edlen Rappen. Beide waren gerüstet und schienen daran gewöhnt.

Ihnen folgten drei weitere Gerüstete und eine Magierin, alle deutlich als Getreue des Hauses Ehrenstein und Streitzig zu erkennen, sowie ein rot wehender Fleck, der gerade im Galopp zu der Gruppe auf schloss. Der rot wehende Fleck entpuppte sich als ein fast nackter Mann, der auf einer bildschönen, cremefarbenen Stute ritt. Er hatte kein Zaumzeug und nur einen einfachen Ledersattel ohne Steigbügel und trug rote tulamidische Seidenhosen, die bis zu den Knien reichten. Um den prachtvollen Oberkörper trug er einen großen roten, mit Spitze umrandeten Schleier, nur von güldenen Rosenschnallen an Schulter und Hüfte gehalten. Sein schwarz gelocktes Haar wallte über seinen Rücken, sein männlich schönes Gesicht zierte nur ein Bartschatten. Seine dunkle Hautfarbe wies ihn als Tulamiden aus, hinter dem Sattel hatte er Satteltaschen und in einer Schlaufe einen schweren Reitersäbel.

Die Getreuen ließen ihn zwischen sich durch und so ritt er zu den beiden Domnas, die ihm ebenso Platz machten. Er schaute lächelnd zu der Schwarzhaarigen und zwinkerte ihr zu, um sich dann an die Blonde zu wenden. Sein Lächeln war breit, seine leicht geschminkten Augen blitzen vor Übermut.

„Morgenschöne Domna Romina, Ihr reitet an all den Wundern der Lieblichsten der Lieblichen vorbei. Habt ihr diesen schönen wilden Feigenbaum nicht gesehen? Wenn wir dort rasten würden, könnten wir uns an den süßesten Früchten laben, die Feige ist der ewig Holden heilig, sei es an der Frau, wie auch am Baume. So süß und so saftig!“ Er teilte eine Frucht, von denen er einige vor sich auf dem Sattel gekonnt in den Schleier gehüllt hatte, biss in eine Hälfte und hielt Romina die andere Hälfte hin. Romina atmete tief durch, blinzelte und nahm die angebotene Frucht. Er hatte die Feige gekonnt geteilt und ihr Anblick machte Romina sofort klar, warum sie zu Rahja gehörte. Sie leckte sich die Lippen und biss in die Frucht. Der Mann an ihrer Seite beobachtete sie genau und einmal mehr hatte sie das Gefühl, er konnte in ihr lesen wie in einem Buch. Er lachte ein sinnliches Lachen, als ein klebriger Tropfen ihr Kinn hinablief und sie ihn mit der Zunge einzufangen suchte. Mit roten Wangen aß sie die restliche Feige und angelte nach dem Tuch in ihrer Rüstung.

Dezent wandte sich der Geweihte an die Schwarzhaarige und teilte auch für sie eine Feige. Comtessa Romina wagte einen Blick, während sie ihr Kinn säuberte. Ihre Waffenschwester Zaida beugte sich zu ihm und ließ sich leise glucksend füttern, nur um ihm dann ihre Hälfe in den Mund zu schieben. Sie war so unbeschwert, wenn es um Rahja ging!

Romina musste es nicht sagen, der Schwerttänzer und Geweihter der Rahja, seines Namens Radschador Tarefsun, kannte sie seit ihrer gemeinsamen Exkursion in den Raschtulswall. Sie wollte jetzt nicht rasten. Am liebsten wäre sie direkt nach Taladur geritten, doch weltliche und geistliche Zungen hatten ihr angeraten, sich Verbündete zu suchen. Romina hatte im Praiosmond in Punin bei der Hochgeweihten Madalena Galandi nach göttlicher Unterstützung angefragt, eine Zusage erhalten und gekommen war Radschador, der Heiler ihrer Seele und Rächer ihres Elends. Ausgerechnet er. Rahjas Wege waren wahrlich unergründlich. Sie würde nie verstehen, was die Göttin von ihr wollte, wenn es um Männer ging.

Romina schnaufte und gab ihrem Pferd die Sporen. Sie ritt voran, weg von dem sich neckenden Paar.

Sogleich überholte Ardan von Kündoch Zaida und den Geweihten und reihte sich neben Romina ein, die tief durchatmete und sich und das Pferd sammelte, froh, den ruhigen, hochgewachsenen Tobrier an ihrer Seite zu haben. Nach und nach folgten alle Getreuen dem Vorbild des Tobriers, so dass sich das gurrende Paar am Schluss des Trupps wiederfand, was beide nicht im Geringsten störte.

Gemächlich ging es weiter.