Chronik.Ereignis1046 Der ringende Herr 01

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Baronie Brigellan, 20. Rondra 1046

Auf Castillo Brigellawacht (nachmittags)

Autor: vivar

Als Signor Ferrante di Cerrano, Capitan a. D. der Horasksl. Armee und Edler von Zamora, den Großen Saal des Castillo Brigellawacht betrat, fröstelte ihn unwillkürlich. Das Castillo war ein wuchtiger Klotz oberhalb von Meschwig und nicht auf Bequemlichkeit, sondern auf Wehrfähigkeit ausgerichtet. Das galt auch für den Großen Saal. Er lag im Halbdunkel. Nur wenige schmale Rundbogenfenster ließen etwas von dem Sonnenlicht herein, unter dem Signor Ferrante das den Oberen Hof, in dem er sein Ross gelassen hatte, so stark ausleuchtete, dass man die Augen schließen musste, unter dem er den ganzen Tag über geritten war und unter dessen unbarmherziger Strenge die gesamte Baronie Brigellan dieser Tage ächzte.

Dagegen war der düstere Saal derart kühl, dass man wohl gut frische Milch hätte darin lagern können, ohne dass sie verderbe. Der Saal war bis auf ein großes Banner mit zwei gekreuzten silbernen Säbel vor zwei güldenen Ähren auf rotem Grund, dem Wappen der Familia Meeltheuer, schmucklos. Im hinteren Teil des Saales, erhöht durch drei Stufen, saß Ferando Meeltheuer von Brigellan. Breitschultrig und bullig ruhte seine hünenhafte Gestalt auf dem schweren Lehnstuhl der Barone von Brigellan, welche seit bald 60 Jahren von der Familia Meeltheuer gestellt wurden.

Zu seiner Rechten stand, breitbeinig, wie es sich für einen Krieger geziemte, der kahlköpfige Answin Kleinbauer. Der einäugige Veteran der Dritten Dämonenschlacht, tobrische Exilant und Capitán der Meeltheuer’schen Garde war der engste Vertraute des Barons, der schon unter seinem Vater Salix gedient hatte.

Zu dessen Linken lehnte sich Firiel Eschentanz mit katzengleicher Lässigkeit an den Baronsstuhl. Wie Ferrante selbst war sie vor zehn Jahren von Dom Ferando angeworben worden, um als Teil seines Terzios die Baronie Brigellan für die Familia Meeltheuer zurückzuerobern. Nun diente sie als Späherin und Jagdmeisterin am militärisch geführten Hofe des Barons.

Während Answin aus seinem verbliebenen Auge unentwegt nach vorne starrte und sich von Ferrantes Ankunft scheinbar nicht beeindrucken ließ, folgte Firiels bernsteinfarbene Augen aufmerksam den Bewegungen Signor Ferrantes, als dieser näher kam. Ein spöttischer Zug lag um ihre Mundwinkel.

Der junge Baron selbst war, das konnte Signor Ferrante sogar in der Düsternis des Saales erkennen, übel gelaunt. Eine Zornesader pulsierte auf seiner von weizenblondem Haar umrahmten Stirn. Dennoch wank er aus dem Schatten einen rotgewandeten Domestiken mit einer Wasserschüssel und einem Handtuch herbei, damit sich sein Gast den Reisestaub von Händen und Gesicht waschen konnte.

“Dom Ferrante!”, rief er ohne Umschweife, als dieser die Halle zur Hälfte durchmessen hatte. “Was muss ich von meiner treuen Firiel hören? Ihr werbt Mercenarios an? Noch dazu aus dem Horasreich? Hättet Ihr die Güte, uns zu erklären, was Ihr da in Zamora plant?”


Autor: Princeps

Unbeeindruckt von dem Tonfall ließ es sich der horasische Edelmann nicht nehmen, seinen Gang zu beenden. Der weinrote Schulterumhang wehte dabei abwechselnd hin und her und entblößte gelegentlich ein Rapier, den Ferrante zu seiner Linken trug. Die Reiterstiefel ließen die Schritte stark durch den schmucklosen Saal hallen, ehe sie kurz vor dem Thron des Lehnsherrn verstummten. Nach horasischer Gepflogenheit machte der Signor seine Aufwartung und zog den Federhut vor seinen Kürass, den er überhalb seiner Kleidung trug, und verbeugte sich. “Seid gegrüßt, Signor. Möge Praios über Euch und Eure Familie wachen”, sprach der rüstige Mann und blickte nur beiläufig zum Streiter des Barons sowie in seinen Augen “Schoßhündchen”.

“Wenn Ihr bereits Informationen von Euren treuen Augen erhalten habt, dann wisst Ihr bereits, dass es sich bei den Männern und Frauen um Veteranen handelt, die in der Vergangenheit auch für Euch ihr Blut vergossen haben”, erwiderte der Horasier in Richtung des Barons in einem ruhigen Tonfall.


Autor: vivar

Der Baron beugte sich vor. “Und ich habe alle Männer und Weiber meines Terzios damals mehr als reichlich entlohnt. Wenn diese Veteranen damals für unsere gute Sache gefochten haben und nun erneut Lohn für ihr Handwerk suchen, weshalb wurden sie dann nicht bei mir selbst vorstellig? Weshalb zieht Ihr Bewaffnete zusammen, Dom Ferrante?”


Autor: Princeps

“Verzeiht, Signor. Aber diese Männer und Frauen, als ‘Weiber’ werde ich sie nicht bezeichnen. Dies ist mir, mit Verlaub, zu vulgär, um dies zu wiederholen.” Ferrante unterbrach sich selbst, blickte kurz auf den Boden vor ihm, nur um seinen nächsten Blick in Richtung des Barons zu verstärken. “Diese Männer und Frauen sind meine Streiter und nicht Eure. Reichlich entlohnt habt Ihr auch nur die Adligen. Und wie ich bemerken darf, nur nach Erinnerung.”

Der Horasier bemerkte den scharfen Blick des Capitans, jedoch hatte er zu viel Blut und Tod gesehen, um sich von strengen Blicken einschüchtern zu lassen. “Jedoch bin ich nicht hier, um mit Euch den Streit zu suchen und Possen, die Euch Euren Spione gemeldet haben, zu bestätigen. Die Veteranen, die ich in die Siedlung eingeladen habe, sind ehemalige Kämpfer samt ihrer Familien. Sie suchen Arbeit im gewöhnlichen Handwerk, wollen Felder bestellen und das Land wieder aufbauen, das leider so leiden musste. Zumal es ein gutes Zeichen für die Baronie ist, wenn Ihr im Ernstfall auf zusätzliche Streiter zurückgreifen könnt. Die Goblinplage ist, wie Ihr wisst, immer noch nicht gänzlich unter Kontrolle.”


Autor: vivar

Firiel musste grinsen, als sie als Spionin bezeichnet wurde. Offenbar konnte sie der Situation etwas Komisches abgewinnen. Die Zornesader auf der Stirn des jungen Barons indes pulsierte immer stärker und er krampfte die Hände auf die Stuhllehne. “So?”, sprach er schneidend. “Es plaisiert Euch also nicht, wie wir in Almada reden, Dom Ferrante? Soll ich Euch vielleicht zu unserem Sprachlehrer ernennen? Sollen wir gar” - er spitzte den Mund - “laudabel parlieren, wie man es am horaskaiserlichen Hofe zu Horasia pflegt? Oder soll ich Euch vielleicht gleich zum offiziellen Chronisten der Baronie Brigellan ernennen, da Ihr anscheinend besser wisst, wen ich entlohnt habe und wen nicht?”

“Euer Wohlgeboren täten wohl daran, sich zu entsinnen, dass Ihr nicht Herr von Zamora aus eigenem Recht seid, sondern seiner Hochgeboren den Lehnseid geschworen habt und somit Eure Streiter auch die Seiner Hochgeboren!”, warf der Einäugige in seinem schwerfälligen tobrischen Dialekt ein. “Habt Ihr Euch denn jemals erkenntlich gezeigt für die große Ehre, die unser Baron Euch gewährt hat, als er Euch zum Edlen erhob?”


Autor: Princeps

Mit einer Verbeugung entgegnete Ferrante seinem Lehnsherrn: “Ich danke Euch, dass Ihr mich für solche herausragende Positionen in Erwähnung zieht. Mir war nicht bewusst, dass beide Posten vakant sind.” ‘Würde aber so Einiges hier erklären’, dachte sich der Horasier und konnte erfolgreich ein Lächeln unterdrücken. “Doch bitte ernennt Jemanden, der die sprachlichen Gepflogenheiten in Oberyaquirien besser kennt als meine bescheidene Person.”

Zum Capitan gewandt, antwortete er: “Verzeiht, Signor. Ich freue mich über Euren Beitrag, aber bitte unterbrecht das Gespräch zwischen zwei Adligen nicht. Wenn mir die Anmerkung dennoch gestattet ist, weise ich darauf hin, nur dem Baron in diesem Saal Rechenschaft ablegen zu müssen und nicht Euch. Danke, Signor.”

Ferrante zog zwei Pergamentrollen aus einer Gürteltasche hervor und übergab beide einem verängstigten Diener, der sie auf einem Tablett eilig seinem Herrn überreichte. “Werter Baron. Ich komme auch nicht mit leeren Händen. Einmal erhaltet Ihr eine Bitte um Eröffnung einer Handelsniederlassung in Eurer Baronie. Wie Ihr wisst, handelt meine Familie mit edlen Waren aus den Kolonien des Horasreiches und würde dies, mit Eurer Erlaubnis, auch hier gerne tun. Dem Gesuch ist auch eine großzügige Gewinnbeteiligung für Euch verbrieft. Schließlich wollen wir uns Euch gegenüber auch erkenntlich zeigen. Dies nicht zu tun, wäre ehrlos. Ich bitte Euch zudem, nach draußen zu blicken. Dort wartet ein edles Rassepferd aus dem Horasreich für Euch.”


Autor: vivar

Der Baron nahm die Pergamentrollen nur entgegen, um sie sogleich an Answin Kleinbauer weiterzureichen. “Ihr seid wie ich ein Mann des Kampfes, nicht der geschliffenen Worte, Wohlgeboren. Auch kennt Ihr unsere almadanischen Sitten und Bräuche noch nicht, obschon Ihr bereits zehn Jahre bei uns lebt und ich stets hoffte, dass Ihr einer der Unseren werden wolltet, denn ich schätzte Eure starke Hand und Euren erfahrenen Verstand bei unserer Campanya. Deshalb will ich Eure heutigen Unbotmäßigkeiten der Santa Marbo anheimstellen. Ich werde Euer Ersuchen zu gegebener Zeit prüfen und Euch dann bescheiden, Dom Ferrante”, sprach er kühl. “ Dann richtete der massige Mann sich zu seiner vollen Größe auf, und die Kühle wich mühsam zurückgehaltenem Interesse. “Ein edles Rassepferd, sagt Ihr? Wie schön, wie überaus schön! Dann lasst uns gleich hinausgehen und nachsehen, ob dieses liebfeldische Rösslein etwas taugt!” Er rieb sich in Vorfreude die Hände. “Firiel, lass aufsatteln. Wir machen mit unserem Gast einen kleinen Ausritt!”

Die Jagdmeisterin nickte knapp und machte sich mit schnellen Schritten auf den Weg aus dem Saal. Der einäugige Krieger reichte die Pergamentrollen an den Diener zurück. “Bring das in die Schreibstube des Administradors. Ein horasisches Pferd! Das will ich mir nicht entgehen lassen.”


Autor: Eliane

Dom Rondraldo Nasredi-Cigano, der Landjunker von Tolacas, war ungehalten. Äußerst ungehalten. Gefolgt von seiner Bedeckung hielt er in einer Staubwolke auf Castillo Brigellawacht zu, den Sitz des Barons Fernando Meeltheuer von Brigellan. Es wurde Zeit, dass der Jungspund bewies, dass er in der Lage war, sich gegen mehr als nur Gesindel durchzusetzen und die praiosgefällige Ordnung aufrecht zu halten wusste. Dom Rondraldo hatte von Anfang an geahnt, dass dieser horasische Verwirrte nichts als Ärger bedeuten würde. Und verstand bis heute nicht, wie der Baron zulassen konnte, dass zu Zamora öffentlich Treue zum Horasreich zur Schau gestellt wurde. Auf almadanischem Grund und Boden. Von jemand, der einem almadanischen Herren den Eid geleistet hatte. Dem Fürstentum und am Ende der Kaiserin in Gareth Gefolgschaft schuldete.

Nicht nur, dass dieser Edle in der Vergangenheit seine, Dom Rondraldos Fellachen zur Landflucht verleitet hatte - er hatte sie bewaffnet, und gegen ihren Herrn und Junker aufgehetzt. Der sie selbstverständlich zurückgeholt und für ihr Fehlverhalten bestraft hatte. Der Arbeitsausfall war nicht unerheblich gewesen.

Es war nicht der einzige Zwischenfall dieser Art gewesen, Dom Rondraldo wusste von ähnlichen Ereignissen aus der ganzen Nachbarschaft. Schließlich hatte der Horasier dem Baron sein ‘Ehrenwort’ gegeben, zukünftig geflohene Fellachen zu ihren Herren zurückzuschicken. Wie es darum stand, hatte Dom Rondraldo gerade erst erfahren. Nicht nur, dass seine Fellachen nicht zurückgeschickt worden waren. Als er höchstselbst nach Zamora geritten war, um sich um die Sache zu kümmern, da seine Boten unverrichteter Dinge zurückgekehrt waren, hatte sich ihm ein Haufen horasischer Veteranen entgegen gestellt. Ihm Zugang zu seinen Fellachen verwehrt. Mit gezogenen Waffen. Es reichte. Dom Rondraldo würde sich das nicht länger bieten lassen. Also hatte er sich umgehend aufgemacht, den Baron zu informieren.


Autor: Princeps

Mit lauter Stimme rief Signor Ferrante die Elfe zum Halten auf, ehe er sich leicht vor dem Baron verneinte. “Werter Signor! Das Pferd ist bereits aufgesattelt und wartet bereits auf Euch. Ich weiß doch, dass Ihr unnützem Warten abgeneigt seid und stete Bereitschaft verlangt”, sagte Ferrante.

Angespornt von diesen Worten wurde der Gang des Burgherren umso entschlossener und nach einigen Wehrgängen, die zum Hof führten, erblickte Dom Ferando einen ausnahmslos schwarzen Yaquirtaler, der mit seinem Verhalten ungeduldig aber euphorisch wirkte. “Das beste und unerschrockenste Pferd, das ich in meiner Stallung habe. Er hört auf den Namen ‘Kordragon’. Wenn Ihr Gefallen an ihm findet, übersende ich Euch selbstverständlich die Abstammungsurkunden”, führte Ferrante näher aus, als er näher an Kordragon herantrat und ihm signalisierte, dass sein Herr gekommen ist.


Autor: vivar

Sichtlich beeindruckt, trat Dom Ferando näher an das prächtige Ross heran, welches warnend schnaubte. Der Baron verlangsamte seinen Schritt und streckte die flache Hand aus, damit Kordragon daran schnuppern konnte. “Ein schönes Tier.” Nachdem der Rappe sich an seinen Geruch gewöhnt hatte, begann Dom Ferando, sanft seinen Hals zu streicheln. “Wirklich ein schönes Tier, Dom Ferrante.” Der Rappe zuckte etwas mit den Ohren, ließ sich aber umstandslos berühren.

Nachdem sie sich solcherart miteinander vertraut gemacht hatten, und Firiel, auf einem schlanken Fuchs, gemeinsam mit zwei weiteren Reitern aus der Baronsgarde herbeigekommen war, kontrollierte Dom Ferando kurz den Sitz des Sattels und setzte dann einen Fuß in den Steigbügel.


Autor: Eliane

In diesem Moment erklangen Hufe im Torbogen. Eine Gruppe Reiter näherte sich, auf Grün und Silber zwei gekreuzte Säbel. Der vorderste der Reiter hielt sein Pferd an, schwang sich aus dem Sattel und verbeugte sich vor dem Baron. “Euer Hochgeboren, Praios zum Gruße. Entschuldigt meinen unangekündigten Besuch; es ergab sich.” Sein Blick wanderte über das Pferd, das der Dom Ferando im Begriff war zu besteigen. Dann nickte er dem Horasier kühl zu. “Just zum rechten Zeitpunkt, wie es scheint. Signor di Cerrano! Versucht Ihr seine Hochgeboren mit Geschenken milde zu stimmen, bevor er von den neusten Zwischenfällen erfährt?”


Autor: Princeps

Umgehend nachdem die Gruppe Reiter den Innenhof erreichte, eilten zwei Gardisten der Renovaten herbei. Mit ihren horasischen Reiterharnischen, der Dreikamm-Sturmhaube und der schwarz-weinroten Stoffschärpe machen diese kriegserfahrenen Recken einen gemeinhin einschüchternen Eindruck, doch als beide links und rechts von Ferrante Stellung nahmen, steigerte dies noch das Bild. Als einer der Reiter zufällig ein Schritt zu nah an den horasischen Adligen herantrat, zogen beide Gardisten zur Hälfte blank.

“Wachen, es ist alles in Ordnung”, sprach Ferrante ruhig und musterte die Neuankömmlinge. Mit einem Ruck wanderten die Schwerter wieder gänzlich in die Scheide und mit dem rondrianischen Gruß, einem langsamen Schlag der Faust auf den Brustharnisch, salutierten diese vor Kopf der Reiterformation.

Mit einem Lächeln begrüßte Signor Ferrante den abgestiegenen Reiter, den er zweifelsohne als Dom Rondraldo in Erinnerung hatte: “Signor, Praios sei mit Euch. Ihr müsst meinen Wachen ihre Wachsamkeit entschuldigen. Mit dem ganzen Staub auf Eurer Kleidung und Eurem forschen Auftreten haben sie Euch wohl nicht direkt erkannt. Hättet Ihr die Güte uns zu erzählen, was Ihr genau mit Zwischenfällen meint?”

Parallel tauchte ein Stallbursche von Castillo Brigellawacht auf und überreichte die Zügel an Ferrante, der auch augenblicklich aufsprang und sichtbar zufrieden war, wieder auf seinem Pferd zu sitzen. “Antwortet rasch. Der Baron schätzt keine Verzögerungen”, sagte Ferrante und bot seinem Herrn mit einem Kopfnicken einen Trinkschlauch an.


Autor: Eliane

Dom Rondraldo winkte seinem Knappen, der im Begriff war, sein Pferd zur Seite zu führen. Er wandte sich an Dom Ferando. “Euer Hochgeboren, würdet Ihr mir die Ehre erweisen, Euch auf diesem Ausritt begleiten zu dürfen? Es geht um eine Sache, die den hier anwesenden Signore und gewisse Zwischenfälle auf seinem Edlengut betrifft, zu denen ich Eurer Entscheidung bedarf.”

Dann wandte er sich an den Edlen von Zamora. „Bedauerlicherweise muss ich wohl sagen, das Übliche. Meine Fellachen auf Eurem Land. Und Eure übereifrigen Leute, die nicht nur die Herausgabe verweigern, sondern ihre Waffen gegen mich, einen Junker, ziehen, als ich gekommen bin, um zurück zu fordern, was mein ist. Es scheint, Ihr seid eher mit Versuchen beschäftigt, seine Hochgeboren zu umschmeicheln, als die praiosgefällige Ordnung in Eurem Lehen aufrecht zu erhalten. Ihr mögt mit unseren Sitten im schönen Almada noch nicht sehr vertraut sein. Daher sehe ich Euch die versehentliche Beleidigung nach und nehme an, dass Ihr mir nicht die Ehrlosigkeit unterstellen wolltet, grund- und formlos im Hof seiner Hochgeboren einen seiner Gäste zu bedrohen. Signor.”

Hinter Dom Rondraldo hatten sich seine Leute gesammelt, die Szenerie mit der trügerischen Gelassenheit erfahrener Kämpfer beobachtend.


Autor: Princeps

Mit einem Lachen schüttelte Ferrante seinen Kopf, ehe er zur Antwort überging: “Was treibt denn Eure Fellachen auf mein Land? Zudem haben die Bewohner seiner Hochgeboren Baronie gemäß des zwölfgöttlichen Glaubens nur meine Gastfreundschaft im Sinne von Travia, gepriesen sei die Göttin, in Anspruch genommen."


Autor: Eliane

„Mir scheint, auch Eure Kenntnisse im mittelreichischen und almadanischen Recht sind noch nicht sonderlich ausgeprägt. Es mag Euch entfallen sein, aber wenn ich mich recht erinnere, habt Ihr Euren Lehnseid einem Almadaner, keinem Horasier geschworen. Wenn Euch die praisogefällige Ordnung der Dinge so wenig zu bedeuten scheint: Ich bin sicher, die aufgelöste Mutter, deren Neugeborenes mit dem davongelaufenen Vater Eure Gastfreundschaft genießt, tut sich schwer, die Erfüllung von Travias Geboten in Eurem Handeln zu sehen.”


Autor: Princeps

“Verzeiht, Signor. Eure Posse langweilt mich. Ich habe nie an Praios’ Ordnung gezweifelt. Habe für den Baron mein Blut und das meiner Männer vergossen, damit er seine rechtmäßige Herrschaft wiederherstellen kann. Signor, zweifelt zudem noch ein einziges Mal an meiner Frömmigkeit und Ihr werdet Euch im Duell gegen mich verantworten müssen”, sprach Ferrante und unterdrückte eine aufkommende Wut in seinem Inneren.


Autor: Eliane

Dom Rondraldo sah sein Gegenüber an. „Ah, es scheint, mein Eindruck könnte falsch gewesen sein. Sicherlich seid Ihr bereits im Begriff, das Missverständnis auszuräumen. Indem Ihr die Rückführung meiner Fellachen umgehend veranlasst, samt einer Entschädigung für den durch die Verzögerungen entstandenen Arbeitsausfall. Einer Entschuldigung Eurer Leute für ihr ungebührliches Verhalten. Und Euer Wort, auf Eure Ehre und Eure Frömmigkeit, dass sich so etwas nicht mehr wiederholt.“

Der Junker lächelte versöhnlich und streckte seinem Gegenüber die Hand entgegen.


Autor: vivar

In dem Augenblick, in dem der Landjunker in den Hof geprescht war, hatte sich der etwas nervöse Kordragon erschrocken und war zur Seite getrippelt. Unentschlossen, ob er nun aufsteigen und ausreiten oder absteigen und den Neuankömmling standesgemäß begrüßen sollte, war Dom Ferando, mit einem Fuß im Steigbügel, war nichts anderes übrig geblieben, als dem Rappen hinterherzuhüpfen. Phexseidank blieb dies beinahe unbemerkt, weil die Augen und Ohren aller im Hof Anwesenden auf den verbalen Schlagabtausch zwischen dem Horasier und dem Amhallassiden gerichtet waren. Nur Firiel, die ihre Augen ’’überall’’ zu haben schien, ließ durch ein Zucken der Mundwinkel anmerken, dass sie das unwürdige Schauspiel wohl wahrgenommen hatte.

Schließlich gelang es dem Baron, sich zu entscheiden und den Fuß aus dem Steigbügel zu lösen. “Dom Rondraldo!”, ließ er das Ross stehen, machte einige Schritte auf den Landjunker zu und breitete die Arme aus, um diesen, wie es die Sitte gebot, mit zwei Wangenküssen zu begrüßen. “Rondra zum Gruße! Seid willkommen auf Brigellawacht, teurer Nachbar!” Nach dem Austausch der Küsse ergriff der Baron die Hand des Landjunkers und beugte sich vor, um diesem zuzuraunen: “Ist es wahr, was ich hören muss? In Zamora sind schon wieder Fellachen aus Tolacas angekommen?”


Autor: Eliane

Dom Rondraldo hatte die Begrüßung des Barons der Cortezza folgend erwidert. „Rondra mit Euch, Dom Ferando, ich danke für Euer Willkommen.“

„Bedauerlicherweise ja. Zwei Unbelehrbare, die schon zum zweiten Mal flüchtig sind, und drei weitere junge Leute zu diesem Unsinn verführt haben. Aber das ist nicht, weshalb ich hier bin. Die Sache hätte sich normalerweise nachbarschaftlich klären lassen.“


Autor: vivar

Die Zornesader, welche die Stirn des Barons beim Anblick des edlen Rappen verlassen hatte, war mit einem Mal wieder da und begann, gefährlich zu pulsieren. “Wir werden das bereinigen, Dom Rondraldo”, klopfte er diesem auf die Schulter, um ihn und vermutlich auch sich selbst zu beruhigen. “Wir werden das bereinigen.”

Dann wandte er sich um, schritt wieder auf Kordragon zu und schwang sich mit einem Satz in den Sattel. Der Rappe wieherte empört, doch Dom Ferandos Griff in den Zügeln war eisenhart und duldete keinen Widerstand.

“Meine Doms!”, rief er mit befehlsgewohnter Stimme. “Wie vorgesehen, werden wir einen Ausritt veranstalten! Ein jeder von Euch mag eine Bannerträgerin mitnehmen, die uns voranreitet, und einen Dienstmann, der uns folgt. Euer restliches Gefolge mag auf Brigellawacht bleiben und sich ordentlich verpflegen lassen! Dafür wird der gute Answin Kleinbauer Sorge tragen! Firiel, du trägst mein Banner!”

Die Halbelfe nickte und ließ sich von einem der Meeltheuer’schen Wachleute die Reiterlanze mit dem roten Wimpel reichen, auf dem sich zwei silberne Reitersäbel vor einem goldenen Ährenkranz kreuzten.


Autor: Eliane

„Mit Vergnügen, Dom Fernando.“

Dom Rondraldo winkte seinem Knappen mit dem Banner und einer Frau aus seinem Gefolge zu, deren Wangen und Stirn gekreuzte Narben zierten. Die drei saßen auf und ordneten sich zur Rechten des Barons ein.


Autor: Princeps

Mit einem Kopfnicken wies Ferrante beide seiner Gardisten an, ebenfalls aufzusitzen. Beide nahmen eine stramme Haltung an, schlugen die Hacken ihrer Stiefel gegeneinander und riefen “Ja, Herr!” ehe sie zu ihren Pferden eilten.

Der horasische Edelmann blickte zu Dom Rondraldo und antwortete auf seinen Vorschlag: “Ein interessanter Vorschlag. Verzeiht, meine Person wird gemeinsam mit unserem Herrn eine Lösung finden. Davon bin ich überzeugt. Sollte er Euren Überlegungen zugetan sein, werde ich gehorchen.” Mit der Rückkehr seiner Wachen wandte sich Ferrante zum Baron: “Zamora ist bereit und wartet auf Euren Befehl!”


Autor: vivar

“Wohlan, lasst uns reiten!” Die drei Bannerträger voran, setzten sich die neun Reiter in Bewegung und verließen Castillo Brigellawacht.