Chronik.Ereignis1046 Der Gefangene von Taladur 05
Reichsstadt Taladur, 20. Rondra 1046 BF
Die rudimentäre Alchemistische Werkstatt im Zunfthaus der Färber, in der nordwestlichen Unterstadt, unweit des Bordells zur stolzen Lanze und des Streitturms der Xetarro, 20. Rondra 1046 BF (vormittags)
Autor: Jan
Es brodelte leise, die Luft roch salzig und es war schwül warm in der kleinen Werkstatt, die jener im familiären Streitturm glich, die unterschied sich allerdings von der kleinen Parfümeurstube in „der Lanze“, die vor nicht all zu langer Zeit für Hexindio eingerichtet worden war.
„Warum treffen wir uns hier?“, wollte die soeben eingetroffene Xalamandra wissen.
„Warum nicht? Hier sind wir ungestört und du kannst mir bei dem hier helfen.“, die Mutter sah nicht auf, sondern konzentrierte sich auf ihre kleinen Tiegelchen, ihr Bild mit der festen Schürze und der Brille gab ein völlig anderes ab als sonst. Hier wirkte sie beinahe ausgelassen, stellte die Tochter erneut fest.
„Kannst du das nicht einer unserer Leute machen lassen?“
„Das hier nicht, das ist unser Capital.“
„Verstehe, du versuchst eine weitere Raffinette, bzw. eine Variante. Lass mal sehen.“ Xalamandra zog sich ebenfalls um und widmete sich dem Aufbau. „Du denkst zu simpel, an dieser Stelle, hier kann man nicht einfach neutral substituieren.“
Xavia lächelte. „Genau deshalb haben wir dir dein Studium finanziert. Auf diesem Parquet bewegst du dich gut. Wobei manchmal das neutrale Substituieren durchaus die beste Option ist.“
„Worauf spielst du an, Madre?“, Xalamandra bekam nun eine Ahnung warum sie sich hier trafen.
Xavia legte einen abgerissenen Aushang auf das Arbeitspult.
„Ah, das. Der Rat hat…“
„Nunja, meine Alionína[1], nicht der ganze Rat. Es gab zwei Enthaltungen. Unser ‚Aliado‘ wusste wohl tatsächlich nichts von diesem Treffen, típico – und meine Wenigkeit hat offen abgewägt und das Für und Wider dargelegt und mich letztlich weder dem Ganzen verweigert, noch ihm meine Zustimmung gegeben. Aber vor allem habe ich darauf geachtet, dass dies gut dokumentiert wurde in der Sumaria.[2]“
„Und du meinst dass das gut war? Was sagt Großvater dazu?“
„Dein Großvater tut hier nichts zur Sache, Kind. Und nein, ich denke nicht, dass das gut war. Ich denke, es war gewitzt. Diese Sache ist so auf des Messers Kante gelegt, dass man sich daran heftig schneiden kann, auch wenn ich es schätze, dass die Stadt der Nobleza die Zukunft vor Augen hält. Doch will ich auch naher Zukunft noch Geschäfte machen können. Und so halten wir uns alle Optionen offen, für den Fall, dass das für die Stadt nicht gut ausgeht. Und zeitgleich haben wir uns den anderen Familias nicht verweigert, müssen nur eine Zeit lang ihre Blicke aushalten, aber es ist ja nicht so, dass das nicht ohnehin so wäre. Und zu guter Letzt, unserem Aliado, können wir das als Verbundenheit ihm gegenüber verkaufen, er hätte sicher eine Gegenstimme abgegeben.“
„Ich verstehe. Das ist dann wohl eher dein Parquet.“
„Sicher, selbst wenn unsere offiziellen Geschäfte darunter leiden sollten, haben wir immer noch die die wir über Mutters Familia laufen haben. Neutral substituiert“, schmunzelte Xavia, eines ihrer noblen Kleider hätte ihr dazu besser gestanden.