Chronik.Ereignis1046 Der Gefangene von Taladur 02

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Gräflich Taladur, 19. Rondra 1046 BF

Edlengut Selkethal (am frühen Abend)

Autoren: Eliane, BBB

Tsacceo verbeugte sich vor Dom Algerio da Selaque von Culming, dem Edlen des Selkethals, und überreichte höflich das Schreiben, das schnellstens zu überbringen ihm seine Herrin aufgetragen hatte. Ihm war anzusehen, dass die letzten Tage anstrengend gewesen sein mussten, doch er wahrte die Form.

Der Brief trug das Siegel der Al'Morsqueta, kein Täubchen. Als Algerio es brach, erwartete ihn Fabiolas Schrift, die er inzwischen kannte.

Lieber Algerio,

Ich hoffe es geht dir gut. Heute erreichte mich eine Nachricht, von der du vermutlich längst weißt. Für den Fall, dass nicht, findest du eine Abschrift anbei.

Ich hoffe wider alle Wahrscheinlichkeit, dass ich die einzige bin, der die Namens-Parallelen zwischen einer Mit-Ausrichterin gewisser Rennnen und gewissen Gläubigern auffallen.

Es wäre ausgesprochen bedauerlich, würden nach den Gerüchten um das weiterhin mysteriöses Verschwinden hoher Gäste und den glücklicherweise aus der Welt geräumten Vorwürfen zu Manipulationen nun auch noch Geschichten um Missachtung von grundlegenden Dingen wie traviagefälliger Gastfreundschaft und dem implizit üblichen Aussetzen von Streitereien bei einem ausgerechnet der Heiteren gewidmeten Anlass die Runde machen. Die Rennen haben das nicht verdient, ebenso wie die Ausrichter. Aber die Umstände sind nunmal, wie sie sind.

Es ist nicht an mir, die erhobenen Vorwürfe zu beurteilen. Auch wenn ich natürlich eine Meinung dazu habe. Jedoch verwundert mich die Tatsache, dass man zu Taladur über zwei Götterläufe schwieg, sich erst jetzt erklärte. Zu Dingen, die noch weiter zurückliegen. Obwohl zwischenzeitlich sehr öffentlich nach dem Verschwundenen gesucht wurde. Warum, wenn nicht um etwas zu verbergen, Spuren zu verwischen? Ganz abgesehen davon, dass ein solcher Umgang mit einem Magnaten, einem Baron, selbstverständlich völlig inakzeptabel ist. Keine Frage, sollten die Vorwürfe zutreffen, ist auch das Verhalten des Betroffenen eines Magnaten unwürdig und eine Missachtung der Gebote des Mungos sowie der Verpflichtungen eines Barons - doch all das entschuldigt das Vorgehen der Rusticalen, Patrizier und der sich mit ihnen gemein machenden Adeligen nicht. Es bleibt empörend und ehrlos - jeder einfache Verbrecher wird anständiger behandelt!

Du merkst, ich missbillige das Verhalten der Taladurer zutiefst, und bin zumindest von einigen der beteiligten Familias äußerst enttäuscht. Wie kann man sein Ansehen, seinen Ruf mit solch kindischen Possenspiel beschmutzen. Riskieren, den Ruf seiner Gräfin oder des Kanzlers in Mitleidenschaft zu ziehen! Diese öffentliche Respektlosigkeit und fehlende Integrität lassen mich in Erwägung ziehen, verschiedene Beziehungen ernsthaft zu überdenken.

Entschuldige, ich schweife ab.

Ich hoffe auf alles Gute für dich, verbleibe mit den besten Wünschen und würde mich freuen, sähen wir uns noch vor den Rennen im kommenden Sommer wieder - denn sei versichert, die lasse ich mir nicht entgehen. Sieh das hier gerne als sehr frühe Anmeldung. Hoffentlich nicht mein einziger erster Platz diesen Götterlauf.

Herzlichst,

Fabiola

-Brief Domna Selea Fabiola Al'Morsquetas an Dom Algerio da Selaque von Culming, 18. Rondra 1046 BF


Algerio nickte zufrieden.

Dann legte er den Brief beiseite.

Er glaubte Fabiola mittlerweile gut genug zu kennen, um aus den Zeilen nicht nur den offensichtlich geäußerten Unmut herauslesen zu können, sondern darüber hinaus auch ein wenig von dem, was sie nicht geschrieben hatte, zu erahnen.

Was zu zwei weiteren interessanten Erkenntnissen führte… zum einen nahm die Geschichte rund um den Vivar und den Zwist mit den Bürgern Taladurs Fabiola offenbar mehr mit, als Algerio vermutet hatte. Fast, als sei sie selbst davon betroffen… direkt oder zumindest indirekt.

Und zum anderen… zum anderen war auffallend, wie sehr sie sich bemühte, ihm gegenüber offen, zugewandt und verbunden zu bleiben. Klar zu machen, ohne es direkt zu sagen, dass sich zwischen ihnen trotz Fabiolas Betroffenheit und der Schwere der Anschuldigungen, sowohl der öffentlich gewordenen als auch der sich daraus darüber hinaus ergebenen, nicht geändert hatte.

Ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht.

“Ich danke dir”, wandte er sich schließlich an den Boten. “Hat deine Herrin dir aufgetragen, auf eine Antwort zu warten?”

Tsacceo, mühsam ein Gähnen unterdrückend, schüttelte den Kopf. „Nein, Euer Wohlgeboren, ihre Wohlgeboren hat mir nichts dergleichen aufgetragen. Der Dom auch nicht. Aber sie hat mir Wegegeld mitgegeben, für die Übernachtung. Ich könnte morgen früh zurückkommen, eine Antwort mitnehmen, solltet Ihr eine verfassen wollen“, bot er dienstbeflissen an.

“Sehr aufmerksam, ich danke. Jodga!”, rief der Edle hinter sich.

Der Majordomus, in einer Ecke des Raumes stehend, räusperte sich, um seine Anwesenheit anzuzeigen. “Ja, mein Herr?”

“Sorg dafür, dass man sich gut um das Pferd dieses jungen Mannes kümmert. Gebt ihm zu essen und zu trinken und mach eines der Gästezimmer bereit. Er bleibt die Nacht hier.”

Und an den Boten gewandt fuhr er fort: “Sei mein Gast für diese Nacht, ruh dich bitte aus. Morgen, nach einem ausgiebigen Frühstück, werde ich nach dir schicken und eine Antwort für deine Herrin haben.”

„Vielen Dank, Euer Wohlgeboren, das ist sehr großzügig“, erwiderte Tsacceo verlegen, bevor er Jodga aus dem Raum folgte.