Chronik.Ereignis1044 Der eherne Schwur 02
Reichsstadt Taladur, 7. Praios 1044 BF
In der Krypta der Halle der Erze (2. Rahjastunde)
Autor: InsomniaJones
Die anderen Ratsmitglieder hatten die Kypta bereits verlassen, doch Laudomina saß noch immer auf ihrem Platz und blickte ihren Bruder kopfschüttelnd an.
„Bist Du von allen Göttern verlassen? Auch wenn die Inhaftierung des von Hesinde vernachlässigten Schönlings mehr als gerechtfertigt ist und nachdem wie er uns mit seinem Verhalten verhöhnt hat, hat er meiner Meinung nach noch ganz anderes verdient … aber die Konsequenzen die diese Inhaftierung mit sich bringen …“, sie seufzt und schüttelt erneut den Kopf, „...könnten mehr sein als wir so einfach verkraften können.“
Galeazzo lehnte sich in seinem Stuhl zurück, lächelte und beugte sich dann zu ihr vor.
„Laudomina, Du bist meine Schwester und als solche liebe ich Dich, aber, was Du gerne in regelmäßigen Abständen zu vergessen scheinst, in diesem heiligen Hallen bin ich nicht Dein kleiner Bruder, sondern der Meister der Esse und Ratsmeister von Taladur und das nicht erst seit gestern. Glaubst Du wirklich, dass ich eine solche Entscheidung treffe ohne Ingerimms Rat vorher eingeholt zu haben?
Es war an der Zeit diesem .. wie nanntest Du ihn noch gleich? … ach ja, diesem von Hesinde vernachlässigten Schönling zu zeigen, dass er die Grenze überschritten hat sondern mehr als zu weit gegangen ist und wir es nicht weiter hinnehmen werden.“
Er stand auf, ging zu Laudomina und küsste sie auf die Stirn.
„Mach Dir keine Sorgen. Wenn ich nicht davon überzeugt wäre das richtige zu tun, hätte ich es nicht getan.“
Laudomina nickte und erhob sich von ihrem Stuhl und umarmte ihren Bruder.
„Fährst Du zurück zum Gut?“, fragte er sie, obwohl er glaubte die Antwort schon zu kennen.
Sie nickte.
„Die Nacht verbringe ich noch in der Stadt, aber morgen früh fahre ich zurück nach Hause.“
Sie sah ihn noch eine Weile an, wollte ihn noch fragen ob er etwas von Vittorio gehört hatte, ließ es aber dann doch sein. Wenn dem so wäre, hätte Galeazzo schon etwas gesagt.
„Du solltest auch wieder ein paar Tage dort verbringen. Würde Dir sicher gut tun.“
„Wenn ich die Zeit dafür habe. Es gibt hier soviel zu tun“, sagte er müde lächelnd.
„Nimm Dir die Zeit!“, erwiderte sie in einem gespielt strengen Ton und umarmte ihn nochmals, bevor sie die Krypta, gestützt auf ihren Gehstock, verließ. Eigentlich brauchte sie den Gehstock nicht, doch er verlieh ihrem Auftreten etwas nobles, etwas erhabenes und auch etwas dramatisches.
Galeazzo blickte seiner Schwester noch nach, als Dergrim, Sohn des Narix, schmunzelnd die Krypta betrat.
„Die Familienähnlichkeit zwischen euch beiden ist unverkennbar“, sagte er noch immer schmunzelnd.
„Ich kann mich noch gut an einen jähzornigen Jüngling erinnern, der wütend auf alles und jeden war und darüber jammerte wie ungerecht die Welt doch sei.“
„Das ist schon eine gefühlte Ewigkeit her, mein Freund. Inzwischen bin ich geduldiger, denke ich doch.“
„Eine gefühlte Ewigkeit mag es für einen Menschen sein, für mich ist es, als wäre es erst gestern gewesen“, lächelte der Zwerg, der sich als Geweihter des Angrosch und Hüter der Wacht in der Halle der Erze niedergelassen hatte, als besagter jähzorniger Jüngling sein Noviziat in besagtem Tempel begann.
„Habe ich wirklich das richtige getan?“, fragte er seinen Freund und Lehrmeister.
„Hast Du Angrosch um Rat gefragt, bevor Du die Entscheidung gefällt hast?“, fragte er mit ernster Miene des älteren Lehrmeisters, worauf Galeazzo nickte.
„Dann hast Du alles richtig gemacht. Mal davon abgesehen ist das Kind jetzt nunmal schon in den Brunnen gefallen oder viel mehr sitzt der Baron bereits im Kerker“, meinte er schulterzuckend.
„Du hast Recht. Getan ist getan und jetzt gibt es andere Dinge zu tun. Sollte ich heute nicht Gesellenstücke begutachten?“, fragte er weitaus fröhlicher als noch vor ein paar Minuten.
„Genau, dazu wollte ich Dich abholen. Ich denke besonders das Werk von einem unserer zukünftigen Gesellen dürfte Dich positiv überraschen.“
„Na dann mal los.“
Gemeinsam gingen sie in die Halle des Tempels, in der die Novizen, die ihr Gesellenstück angefertigt hatten, ihre Werke ausstellten.