Chronik.Ereignis1044 Aufstieg der Cordellesa 17

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Taladur, 14. Peraine 1044 BF

Im Castillo Spähricht

Autor: BBB

Algerio da Selaque von Culming beobachtete aufmerksam die Prozedur. Es kam nicht alle Tage vor, dass die Gräfin der Waldwacht einen neuen Verwalter für ihr Eigengut, Gräflich Taladur bestellte. Und wahrscheinlich war es noch seltener, dass mit Guillermo Cordellesa jemand ernannt wurde, der nicht der Nobleza entstammte.

Aber sicher war er sich auch nicht.

Als er vor nur zwei Götterläufen seine eigene Dominie, das Edlengut Selkethal von der Gräfin erhalten hatte, war all das noch nicht relevant gewesen. Und wenn er ehrlich war, war auch ihm das Herrschen über ein Gut noch neu und unvertraut.

Vielleicht war dies ein Muster? Vielleicht vertraute sie gern unerfahrenen Menschen verantwortungsvolle Posten an… oder es war ihr schlicht gleichgültig, wer die Geschicke der Menschen lenkte, auch das konnte sein. Ihre Entscheidungen traf sie jedenfalls nicht selten aus einer ihrer berüchtigten Launen heraus. Ihre Wahl für ein Mitglied der Familia Cordellesa war also in ihrer Unvorhersehbarkeit und Unnachvollziehbarkeit letztlich doch nicht wirklich überraschend gewesen.

So viel hatte Algerio mittlerweile über seine Lehnsherrin gelernt. Denn er lernte schnell. Für gewöhnlich.

Und wie schon bei den Mercenarios und auch im Geschäft war im Adel vor allem eines wichtig: Falle deinem direkten Vorgesetzten nie negativ auf, damit sie keinen Grund haben, schlecht über dich zu denken. Aber den wirklich guten Eindruck hinterlasse bei den Vorgesetzten deiner Vorgesetzten. Denn sie sind es, auf die es letztlich ankommt.

Als die Zeremonie endete, hatte Dom Guillermo ihn, den Edlen des Selkethals, keines direkten Blickes würdigte – wahrscheinlich weil er selbst noch überwältigt war von den Ereignissen, die gerade über ihn hereinbrachen. Algerio maß diesem Umstand keine große Bedeutung zu, aber er bekräftigte ihn in seinem Entschluss, auch weiterhin eher die Nähe zu seiner Gräfin zu suchen. „Den kleinen Culming“ nannte sie ihn – wie sie überhaupt die meisten Menschen mit Nachnamen anzusprechen pflegte. Aber anders als „der Cordellesa“ und „der Taladur“ vor ihm, hatte der kleine Culming einen Vorteil. Er war der erste seines Namens in der Waldwacht. Er konnte sich seinen Ruf von Beginn an aufbauen, während die anderen sich bereits mit den Verfehlungen ihrer Ahnen behaftet sahen.

Also reihte er sich ein, in die Reihe der Gratulanten. Er würde dem neuen Administradore die Ehre erweisen, wie es sich gebührte. Er würde ihm keinen Grund geben, einen negativen Gedanken zu fassen, noch irgendetwas liefern, das man an ihm oder seinem Benehmen aussetzen konnte. Und er würde sich bemühen, ein gutes Verhältnis zu ihm aufzubauen und zu unterhalten.

Aber eines Stand fest: Seine Loyalität, sein Bemühen, galten der Gräfin selbst, der er vor zwei Götterläufen einen Eid geschworen hatte.

So wie Dom Guillermo jetzt.