Chronik.Ereignis1044 Aufstieg der Cordellesa 14

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Taladur, Peraine 1044 BF

In der Torre Alumbre

Autor: Jan

Der Magier Hexindio hatte soeben den kleinen Saal verlassen. Nur Xavia Xetarro und ihre Tochter Xalamandra waren noch dort, saßen an der Tafel mit den blauen Kerzen und der Alaunblauen Tischdecke. Beide hatten ihre roten Fibeln angesteckt und waren ebenfalls größtenteils in Blautönen gekleidet, sie unterhielten sich über die Nachricht, die ihnen Sohn bzw. Bruder überbracht hatte.

"Er ist weich", polterte es auf einmal hustend hinter einem übergoßen alaunblauen Behang, der das Zeichen der Xetarros trug. Dieser wurde bei Seite geschoben und ein älterer Mann, nicht in blau, sondern schwarz, trat in leicht gebeugter Haltung dahinter hervor - Hesindio Xetarro, der Soberan der Familia. Beinahe angewidert verzog er sein altes, faltiges Gesicht, kaute auf seiner Unterlippe und unterdrückte ein erneutes Husten.

„Er ist nützlich“, entgegnete die stolze Xavia ihrem Vater. Der winkte nur lapidar ab. „Was soll’s, wichtig ist was er uns zu sagen hatte, nicht, dass die Designacion des Gönnerhaften nicht ohnehin Stadtgespräch wäre, aber offenbar, will der Cordellesa ein echtes Tantán daraus machen. Gesandte aus Gorien, was für ein Großgekotze. Dem Cordellesa dürstet es wohl danach gleich zu Anfang schon deutlich zu machen, mit welcher Selbstverständlichkeit er aufzutreten gedenkt.“

"Padre, das wird Staub aufwirbeln und die Karten neu mischen, alte Krusten aufbrechen.“, erwiderte die Tochter mit einem Anflug eines Lächelns, im ansonsten unbeeindruckten Gesicht. Sie stand auf, strich ihr feines blaues Kleid glatt und ging auf ihren Vater zu, der deutete an dass sie ihm fern bleiben solle und ging hinüber an die halb offene Balkontür, besah sich Taladur aus den Schatten des Bogens: „Du hast Recht, Xavia, das können wir Nutzen. Der Cordellesa ist eitel und wer weiss besser als die Xetarros solche Eitelkeiten zu umschmeicheln.“ Er sah zu dem großen Portrait seines Vaters Lumino, dem es zu Lebzeiten nicht gänzlich vergönnt gewesen war die Familia dorthin zu führen wie es ihr und vorallem ihm gut zu Gesicht gestanden hätte. „Statte dem Gönnerhaften einen Besuch ab, nimm Xalamandra mit, mache ihm folgendes Angebot…“


Im Streitturm der Cordellesa

Autoren: Cordellesa & Jan

Einen Tag darauf.

Die zwei Xetarro Frauen entstiegen in luftig-wallenden und doch hoch geschlossenen, beeindruckenden Kleidern in kräftigstem Edelblau ihrem Wagen, fächerten sich Luft zu. Sie hießen dem Fahrer zu warten und traten beide auf den kleinen Platz vor dem Streitturm der Cordellesas, dieser war nicht so hoch wie der ihrige, dafür aber breiter und geradliniger als der dieser. Ein Mercenario stand davor, nicht nur sie hatten in den letzten Jahren an Mietlingen aufgestockt. Den Mann kaum ihres sinistren Blickes würdigend trat Xavia vor ihn, Tochter Xalamandra direkt hinter ihr, sich gerade etwas wohlriechende Tinktur auf ein blau-weißes Taschentusch träufelnd.

Der Mercenario, der vor dem Eingangsportal des Turmes stand war in ein rotes Hemd und eine weiße Hose gekleidet. Er wirkte leicht geckenhaft und war dazu auch leicht geschminkt. Er laß ein Schriftstück, von dem er nun aufblickte und die beiden Ankömmlinge musterte. Er zog seinen breitkrempigen Hut und verbeugte sich leicht. Er grüßte freundlich. "Rahja zum Gruße, die Damen. Nestario el Mercenario, habe die Ehre. Was ist euer Begehren?"

Ein nichtssagender Blick der Älteren, angetan in tiefdunklem Blau, 'würdigte' den Mann. Die zweite schaute kurz hinter ihrem ebenfalls blauen Fächer mit roten Applikationen auf. "Xavia und Xalamandra Xetarro, wir werden erwartet, Nestario, der den Namen der Schönen im Munde führt."

"Wenn das so ist, verehrte Damen, folgen Sie mir bitte". Er klopfte am Portal und sagte etwas kryptisches. Das Tor wurde von innen entriegelt und geöffnet. Er blieb davor stehen, zog abermals seinen Hut und verbeugte sich leicht. "Es hat mich gefreut, euer ansichtig werden zu dürfen. Tretet bitte ein, ein Diener wird euch gleich geleiten."

Die Eingangshalle des Streitturmes, die die beiden Besucherinnen nach dem Umbau dessen noch nicht besucht hatten, erstrahle quasi in neuem Glanz. An dem kleinen Tisch, direkt am Eingang saß ein junger Mann, der sofort Aufstand und sich verbeugte. "Edle Damen, seid Willkommen, bei Rahja. Ich bin Galeazzo Modisto, zu euren Diensten, wen darf ich melden?"

Mit nur wenigen Worten hatte man den Torwächter verabschiedet, mit geschult-kritischem Blick die Halle besehen und das Empfangskommando beäugt. "Als guter Concierge wisst Ihr sicher wen ihr vor Euch habt, Galeazzo, aber um Eurer Aufgabe genüge zu tun: Melde deinem Herren Xavia und Xalamandra Xetarro."

"Sehr wohl, bitte wartet kurz. Bitte setzt Euch in der Zeit und bedient Euch an den Erfrischungen." Er wies auf den Tablet mit dem Konfekt und die Karaffen mit Wein und Wasser.

Die beiden Damen taten wie geheißen, nur die jüngere nahm sich ein Stück Konfekt. Die ältere betrachtete weiter den Eingangsbereich. "Auf großem Fuß..." dachte sie sich, wie Vater gesagt hatte. Während sie beide hier waren, traf dieser sich - gemeinsam mit ihrer Mutter - mit der Domna, um auch dort ein weiteres Vorgehen zu besprechen.

Xavia wurde just aus diesem Gedanken gerissen, als der Concierge zurückkehrte.


In Dom Guillermos Arbeitszimmer

Autoren: Cordellesa & Jan

Kurze Zeit später wurden die beiden im Amtszimmer von Guillermo Cordellesa und Fabia Marcella de Vega y Urrego empfangen: 'Seid willkommen in unserem bescheidenen Hause. Bitte setzt Euch. Wir geht es euch und eurem Herrn Vater?'

Mit einem aufgesetzten, aber gut inszenierten und fast ehrlichen Lächeln knicksten die beiden Angesprochenen, erwiderten den Gruß und nahmen Platz. "Mein Herr Vater erfreut sich bestem Willen und entsendet mich und meine Tochter um Euch die Glückwünsche der Familia Xetarro zu Eurer bevorstehenden offiziellen Ernennung zu überbringen. Als Zeichen dessen, haben wir euch einen Ballen besten Tuches aus unseren Weber- und Färbereien mitgebracht, welcher derzeit noch in unserem Wagen weilt, Eure Diener können ihn sicherlich für Euch in Empfang nehmen. Es ist meinem Vater ein Anliegen Euch dieses Geschenk jetzt schon zu überbringen, da Ihr sicherlich bei Eurer Feier zu beschäftigt dafür sein werdet."
Die zwei tauschten einen Blick aus. "Außerdem ist dieser Ballen nur ein Pfand, für das eigentliche Geschenk. Denn so ist doch das Tuch letztendlich dafür gemacht seinen Träger zu schmücken und zu umschmeicheln. Und so bieten wir Euch unsere Dienste an, dass wir Euch aus rohem Tuch ein Gewand fertigen, dass Eures neuen Amtes gerecht wird. Mein Vater und auch ich denken, wir können uns gegenseitig gute Aliados sein." Es lag auf der Hand, das Xavia nicht nur von Tuch und Gewand sprach, auch die Augen ihrer Tochter blitzten hinter ihrem Fächer hervor.

Guilermo's Gesicht blieb steinern, er zog eine Augenbraue hoch und anwortete "Die Schönheit der Stoffe eurer Familia ist weit gerühmt. Wir danken euch für dieses Präsent und werden es gebührend einsetzen. Versteht mich nicht falsch, aber ich habe die Anwesenheit eures Vaters erwartet. Es gibt weitreichende Entscheidungen zu treffen. Gehe ich recht in der Annahme, das ihr euer Haus in allen Belange zu vertreten gedenkt?"

"Ich gedenke nicht nur, Dom Guilermo, ich werde. Es ehrt Euch, dass Ihr meinem Vater den Respekt zollt, der ihm gebührt, aber seit Euch versichert, dass er mich mit allen nötigen Vollmachten ausgestattet hat um solch weitreichende Entscheidungen mit euch zu besprechen. Wie Ihr unweigerlich festgestellt haben werdet, ist die Gewandung in erster Linie eine Metapher.", Xavias Haltung wurde noch aufrechter als ohnehin schon, sie strich ihr Kleid etwas zu recht und lauerte. Ihr Tochter schräg links hinter ihr hatte beinahe einen ähnlichen Blick.

Guillermo dachte: 'Dann sind Hesindio Xetarros Tage nun endlich gezählt und ich muss sehen, das es mir nicht genauso geht. Vielleicht sollten wir die Wahl unseres Mundillo überprüfen. Zumindest müssen wir ihm eine fähige Frau zur Seite stellen.' Sein Blick fiel auf Xalamandra Xetarro. 'Sie ist verlobt. Das Thema gilt es als nächstes voranzutreiben. Für Raulo gilt das auch. Es wird Zeit, das er sich bindet. Für Emiglio müssen wir auch noch eine Partie finden. Vielleicht eine Adelige aus den Nordmarken oder dem Kosch, wie meine Mutter eine war? Wo bleibt der Bengel schon wieder?'
"Nun, euer Vater und ich sind wahrlich keine Freunde, aber er hält mit seiner Meinung nicht lange hinter dem Berg. Eine bei Praios zumindest für seine Konkurrenten praktische Eigenschaft, aber ein Bündnis war nie sinnvoll, für keine der beiden Familias. Meine plötzliche Berufung hat das Machtgefüge nun erschüttert und es ergeben sich neue Möglichkeiten. Wie ihr euch vorstellen könnt, werden die Amazetti und die Zalfor alles tun, um den Cordellesa zu schaden. Leider haben die Amazetti auch noch die Möglichkeit über eine recht große militärische Hausmacht zu verfügen. Ihr wisst, das ich einen Sitz im Rat vergeben kann, dieser würde euch auch gut kleiden? Es gibt schon Anwärter und ich nehme an, die Xetarro haben auch ein Interesse?"

Der Cordellesa war ein geradliniger Mann, vllt konnte er deshalb nichts mit ihrer Metapher anfangen oder er hatte zumindest gern das Gefühl, selbst der Agierende zu sein. Xavia sollte es gleich sein, lakonisch stellte sie fest: "Freundschaft wird überbewertet, Dom Guillermo.", sie fächerte sich sanft Luft zu, ihre Tochter schien den Dialog genau zu beobachten. "Aber Alianzas können zu aller Vorteil sein und sind nicht so emotional belastet. Den Xetarro sagt man die Controlle ihrer Gefühle nach, uns werden sie also nicht im Weg stehen, wir sind ein guter Bündnis-Partner. Weshalb ich Euch, wie erwähnt, ein Geschenk mitgebracht habe, mein Vater, die Xetarro, unterbreiten Euch folgendes Angebot..."

Nach stundenlangen Verhandlungen... 'Gut, so sind wir uns einig' Guillermo läutete ein Glöckchen. 'Wir werden unsere Übereinkunft noch besiegeln müssen. Ich lasse sogleich das Vereinbarte in einem Schriftstück zusammen fassen. Was haltet Ihr davon den Contract bei einem angemessenen Mahle zu feiern'?

Die Xetarro-Frauen nickten zufrieden hinter ihren Fächern. "Sehr angemessen."

Es war beinahe ein selten gelöster Abend, aber eben nur beinahe. Denn letztlich war es eine Handelszusammenkunft, keine unter Freunden, auch wenn es dem an diesem Abend gefährlich nah kam. Am nächsten Tag allerdings wurde alles bedeutend nüchterner, aber dennoch als Vorteil betrachtet.

Chronik:1044
Aufstieg der Cordellesa
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