Hungerturm (Punin)
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Die dunkle, meist von Rabenvögeln umkreiste Silhouette des Hungerturms ist von fast jedem Punkt in Punin aus sichtbar und wirkt gerade unter der gegenwärtigen Herrschaft des Valedors von Punin, Dom Vesijo de Fuente y Beiras, mehr wie eine stete Drohung, denn wie ein Fix- und Orientierungspunkt über dem Gassengewirr der Stadt.
Wegen drangvoller Überbelegung, durch die die Gefangenen in den Zellen des insgesamt siebenstöckigen Turmes im Sitzen oder sogar im Stehen schlafen müssen, baumeln des öfteren auch eiserne Käfige mit armen Teufeln darin in großer Höhe außen von der Turmbrüstung herab, die eigens zu diesem Zweck über Flaschenzüge und Holzkräne in allen vier Himmelsrichtungen verfügt.
Seit seiner Erbauung auf Geheiß von Sonnengebieterin Praiana der Gleißenden im Jahre 373 BF verfügt der Turm auch über eine Folterkammer im Kellergeschoss mit einem Gharrucha-Streckseil und Kohlebecken für die Tortur mit heißen Zangen. Dieser Raum wird gegenwärtig aber ebenfalls als Arrestzelle genutzt. Früher saßen Gefangene im Hungerturm gewöhnlich nur einige Tage oder Wochen ein und wurden dann - je nach Entscheidung des Decimo Criminale und der Stadtrichterin - entweder entlassen oder in den Staatskerker von Al'Muktur verlegt. Nun aber sitzen einige Insassen schon Jahre im Hungerturm ein, da der Valedor dem Kgl. Staatskerkerwächter Ansvin von Al'Muktur misstraut.
Schon viele Unglückliche von Rang und Namen wurden - und werden! - im Hungerturm gefangengehalten, so etwa der inzwischen außer Landes geflüchtete Descendientes-Baron Konnar vom Berg, der vormalige Puniner Ratsmeister Abdul Assiref oder der Inostaler Schuldener-Baron Talfan von Abundil.
Die hygienischen Zustände in den Zellen sind katastrophal - die Gefangenen sitzen auf fauligem Stroh, von Wanzen und Mäusen umwimmelt, und teilen sich zu zwölft einen einzigen Eimer als Abtritt. Auch die tagtäglich wiederkehrende Kerkerkost aus madenhaltigem Getreidebrei und brackigem Yaquirwasser sind nicht jeden Magens Sache... So schauen viele Insassen heute fast neidvoll durch die Gitterstäbe hinterher, wenn die Boronis einen Erlösten auf der Bahre aus dem Turm tragen.